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Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde 1999

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Veranstaltungen

Neujahrsempfang und Preisverleihung

Zum 22. Januar des Berichtsjahres luden Vorsitzer und Vorstand zu einem Neujahrsempfang ein. In seiner Ansprache überbrachte der Vorsitzer, Herr Dr. Biewald, die besten Wünsche des Vorstandes für die Mitglieder und ging auf die Entwicklung der GfE in den letzten Jahren ein. Auch über die Jahrhundertwende hinaus gab er eine günstige Prognose. Im Anschluß wurde der Humboldt-Ritter-Penck-Preis an Frau Andrea Werner-Zumbrägel, Universität Würzburg, vergeben mit ihrer Diplomarbeit zum Thema: ‘Frauen und Entwicklung in peripheren Bergregionen. Am Beispiel der pommerischen Streusiedlung Sao Sebastiano, Munizip Santa Maria Jetiba, Espirito Santo (Brasilien)’. Das Mitglied des Vorstandes, Prof. Dr. E. Kulke, hielt die Laudatio und begründete die Wahl, wobei er die intensiven Recherchen vor Ort und die interdisziplinären Ergebnisse der Studie hervorhob. Frau Werner-Zumbrägel hatte die Gelegenheit, ihre Arbeit kurz vorzustellen, Intention und Auswirkungen zu erläutern. Wenn auch in den abgelegenen Siedlungen der deutschen Auswanderer nur kleine Entwicklungsschritte zu erreichen sind, wurde der Anteil der Frauen an der täglichen Arbeit und für die Gemeinschaft deutlich.

Das Zentralthema der Abendvorträge im ersten Trimester hieß Wüsten der Erde, wobei Atacama, Namib und die östliche Sahara gegenübergestellt wurden. Der Vergleich gab ein eindrucksvolles Bild von Extremlandschaften, ihren Gemeinsamkeiten, aber auch Besonderheiten. Im zweiten Trimester wurden mit Usbekistan und der Ukraine zwei Staaten vorgestellt, die sich 1991 aus der UdSSR gelöst haben. Die Referenten konnten zeigen, wie das ‘sozialistische Erbe’ im wirtschaftlichen und kulturellen Leben mit dem beginnenden eigenen staatlichen Aufbau kontrastieren. Mit einem Einblick in die Erdöl- und Erdgaswirtschaft Westsibiriens lernten die Hörer die vielseitige Problematik des weltgrößten Energiekomplexes kennen. Die Vorträge im dritten Trimester waren 1ateinamerikanischen Ländern gewidmet, Referenten waren Berliner und Potsdamer Geowissenschaftler, die über ihre Arbeitsgebiete vortrugen. Länderkundlich über Chile und Kuba, geologisch über die Vulkane Mexikos. Als besonderer Vortrag wurde das aktuelle Thema ‘Kosovo, ein Problem für das nächste Jahrhundert’ angeboten. Als Referent konnte der Journalist Heiner Giersberg vom Sender Freies Berlin gewonnen werden, der die Region gut kennt und über lange Erfahrungen verfügt. Entsprechend waren die Hörer auf die Bewertung der Krise durch den Redner gespannt, seine Ausführungen lösten heftige Diskussionen aus; die Veranstaltung ist als ein besonderer Gewinn zu sehen.

 

Symposium

In die Asien-Pazifik-Wochen, die in Berlin im Turnus von zwei Jahren stattfinden, schaltete sich die GfE mit einem halbtägigen Symposium und einem Abendvortrag ein. Das Thema ‘Japan - Naturkatastrophen und ihre ökologischen Folgen’, das in vier speziellen Referaten behandelt wurde war gut geeignet, einen interessierten Kreis von Teilnehmern anzuziehen und fachliche Diskussionen auszulösen.

 

GeoGalerie

Die traditionelle GeoGalerie im Hause der GfE konnte dreimal mit unterschiedlichen Laufzeiten besetzt werden. Zwei Themen waren der Stadt Berlin gewidmet: Eberhard Franke nannte seine Exponate ‘Stadtmotive’. Ed Dickman stellte als ‘Amerikaner in Berlin’ seine Sicht von der Stadt an ausgewählten Aquarellen und Ölbildern dar. Ganz andere Eindrücke vermittelten die Rußlanddeutschen A. und M. Biller, A. Jauk und A. Steinmetz, die unter dem Thema ‘Erdbetrachtungen und Seelenspiegelungen’ ihre Heimat und ihre Erlebnisse an der Wolga dem Betrachter näherbringen und erklären wollten. Die Ausstellungen fanden das gewohnte Interesse, wobei die Urteile freilich geteilt waren.

25.01. - 31.03.1999

    • ‘StadtMotive’
    • Gedrucktes und Farbiges von Eberhard Franke
    • 10. 05. - 31.07.1999
    • ‘Erdbetrachtungen, Seelenspiegelungen’
    • Impressionen von Andrej Bitter, Marina Bitter, Alexander Jauk, Alexander Steinmetz

18.10. - 17.12.1999

    • ‘Ein Amerikaner in Berlin’
    • Aquarelle und Bilder von Edwin Dickman

Exkursionen

Das Angebot im Sommersemester umfaßte zwei eintägige Exkursionen. Eine Stadtwanderung führte durch einen der ältesten Teile Berlins die Bezirke Mitte und Prenzlauer Berg. Dabei wurden Straßen und Plätze aufgesucht, die in der Vorkriegszeit besonders bekannt waren, wie der Hackesche Markt, die Große Hamburger Straße, der Garnisonsfriedhof u.a.. In der DDR-Zeit weitgehend vernachlässigt haben sie nach der Wende eine Erneuerung erfahren, die allerdings noch unterschiedlich weit vorgeschritten ist.

Die ‘Glindower Alpen’ waren Ziel einer Exkursion in die Berliner Umgebung. Sie verlief von Potsdam aus durch die Endmoränenlandschaft im Südwesten zur Grundmoränenplatte von Glindow und bot Gelegenheit, verschiedene eiszeitliche Formen und ihre Genese kennenzulernen. Der frühere Abbau von Bändertonen und ihre Verarbeitung zu Ziegelsteinen wurde der Gruppe in Glindow demonstriert, wo in einem denkmalgeschützten Ringofen (erbaut 1868) noch heute Ziegel gebrannt werden können.

29.05.1999  Besichtigung einer Legende

    • Spandauer Vorstadt und der Wilhelminische Ring
    • Leitung: Dr. Jürgen Peters

 

26.06.1999  Glindower Alpen

           Leitung: Dr. Bernd Zolitschka

Organisatorisches

Im Berichtsjahr fanden zwei Sitzungen von Vorstand und Beirat sowie zwei Mitgliederversammlungen am 13.8. und l0.12. statt.

In der Mitgliederversammlung im Dezember gab der Vorsitzer einen ausführlichen Bericht über das abgelaufene Jahr 1999. Die Pläne für einen Anbau des Hauses (Stichwort ‘Geohaus’) werden wegen der verschobenen Geldbewilligung durch die Klassenlotterie zunächst nicht weiter verfolgt. Im Stadium der Planung bleibt ferner ein länderkundliches Kolloquium über Polen. Der Jahresabschluß für 1998 wird nach Diskussion und dem Bericht der Rechnungsprüfer genehmigt und der Vorstand einstimmig entlastet. Als Vorsitzer der GfE für das Geschäftsjahr 2000 wird Dr. Biewald in seinem Amt bestätigt, nachdem er einstimmig von Vorstand und Beirat nominiert wurde. Mitglieder des Vorstandes sind Dr. Kirsten Gehrenkemper als Generalsekretärin, Prof. Margot Böse (FU), Prof. Peter Ergenzinger (FU), Prof. Elmar Kulke und Prof. J. Negendank (GFZ Potsdam). Rechnungsprüfer bleiben Frau Dr. Zillbach und Frau Dr. Wessel, ihre Vertreter Frau Prof. Schulz und Herr Poppe.

 

Weitere Mitteilungen

Heinrich Kiepert,1818-1899

Der vor l00 Jahren verstorbene Heinrich Kiepert war einer der großen deutschen Kartographen des 19. Jahrhunderts. Mit seinen zahlreichen Karten und Atlanten wurde er zum unentbehrlichen Helfer vieler Wissenschaften und förderte den Erdkundeunterricht in den Schulen. Vor allem betrieb er die kartographische Aufnahme Vorderasiens und Griechenlands, wohin wiederholte Expeditionen führten. Dabei nahm er seine berühmten Itinerare auf und zeichnete die ersten großmaßstäbigen Karten. Zur Gesellschaft für Erdkunde brachte ihn sein Lehrer und Förderer Carl Ritter, der seit der Gründung (1828) maßgeblich an ihrem Aufbau beteiligt war. Kiepert trug häufig in den ‘Sitzungen’ vor und stellte seine und andere Karten zur Diskussion. Auch schrieb er zahlreiche Artikel in der Zeitschrift der Gesellschaft, denen er stets kartographische Darstellungen beifügte. Damit wurde er zu einem wichtigen und allseits geachteten Mitarbeiter, der das Ansehen der Gesellschaft im Sinne Ritters stärkte. Zur Erinnerung an seinen 100. Todestag legte der Vorsitzer der Gesellschaft, Dr. Dieter Biewald, im Namen der des Abgeordneten Haus von Berlin einen Kranz nieder.

 

Verlängerung des Kooperationsvertrag zwischen der Akademie der Wissenschaften der Mongolei und der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin

Am 3. Juni 1999 stattete Prof. Dr. D. Dordsch-gotow, Direktor des Geographischen Instituts der Akademie der Wissenschaften der Mongolei und Professor am Geographischen Institut der Mongolischen Staatsuniversität der Gesellschaft einen Besuch ab. Anlaß war die Vertragsverlängerung für ein von der DFG gefördertes Forschungsprojekt im Bereich des Uvs Nuur (Nordwestmongolei). Das Projekt, das durch einen Kooperationvertrag zwischen der Akademie der Wissenschaften in der Mongolei und der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin auf eine rechtliche Basis gestellt wurde, wird im Jahr 2000 abgeschlossen. Erste Ergebnisse sind in der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde DIE ERDE 1999, Heft 2 veröffentlicht.

 

Festkolloquium anläßlich des 60. Geburtstages von Prof. Dr. Hartmut Leser

Anläßlich des 60. Geburtstages des langjährigen Herausgebers unserer Zeitschrift DIE ERDE, Prof. Dr. Hartmut Leser, richteten seine Schüler und Kollegen am 2. Dezember 1999 in Basel ein Festkolloquium aus. Während der außerordentlich gut besuchten Veranstaltung wurde der Jubilar durch Vorträge zu Themen der ‚Anwendung und Perspektiven einer integrativen Wissenschaft‘ und zwei Festschriften geehrt. Der Vorsitzer der Gesellschaft, Dr. Dieter Biewald, und die Generalsekretärin und Schriftleiterin der Zeitschrift DIE ERDE, Dr. Kirsten Gehren-kemper, überbrachten ihre Glückwünsche.

 

1. Erdsystemwissenschaftliche Symposium

Vom 18. bis 22. November 1999 fand im Alexander-von-Humboldt-Haus das 1. Erdsystem-wissenschaftliche Symposium statt zum Thema ‘Geotectonic activities and climate change in the Baikalian Region: A search for climatic fingerprints in lake sediments’ mit anschließendem ‘1st BAIKAL-SED International Workshop: Workshop on Sedimentology of Lake Baikal ‚Recent and subrecent sedimentation’. Zu dieser Veranstaltung trafen sich 50 Wissenschaftler aus Europa, Japan, USA mit führenden Baikalforschern aus Irkutsk und Novosibirsk, um die geologische Baikalforschung zu erörtern.

Das Symposium und der Workshop hatten zum einen das Ziel, Sedimentologen, die seit längerer Zeit im Baikalsee arbeiten, die Möglichkeit zu geben, Wissen und Erfahrungen auszutauschen. Zum anderen sollte die Diskussion bereits vorliegender limnologischer und sedimentologischer Daten dazu führen, in Vorträgen und Rund-Tisch-Gesprächen Probleme der Ablagerungs- und Umlagerungs-Prozesse sowie diagenetischer Vorgänge in Zukunft integraler zu erfassen.

Mitglieder

Es verstarben:

Prof. Dr. Gerold Richter (Mertesdorf / Trier)

Johanna Kunze (Berlin)

 

Neue Mitglieder:

Dr. Christoph Breitkreuz (Berlin)

Prof. Dr. Wilfried Endlicher (Berlin)

Prof. Dr. Anton Escher (Mainz)

Oliver Friederici (Berlin)

Ingrid Friederici (Berlin)

Susanne Riemer (Berlin)

Janina Stresow (Berlin)

Jeanette Vogt (Berlin)

 

Wissenschaftliche Vorträge:

 

    • Prof. Dr. Heinz Veit (Bern)
    • Atacama - Eine Extremwüste im Wandel der Zeiten
    • Prof. Dr. Bernhard Eitel (Passau)
    • Die Namib - Natur und Mensch in einer der ältesten Wüsten der Erde
    • Dr. Stefan Kröpelin (Köln)
    • Neue Forschungen in der östlichen Sahara
    • Prof. Dr. Jörg Stadelbauer (Freiburg)
    • Usbekistan - Ein neuer mittelasiatischer Staat im postsowje-tischen Transformationsprozeß
    • Prof. Dr. Norbert Wein (Düsseldorf)
    • Der westsibirische Erdöl-und Erdgaskomplex
    • Prof. Dr. Jürgen Lafrenz (Hamburg)
    • Die Ukraine - Im Konfliktfeld der Eigenstaatlichkeit

 

    • Prof. Dr. Wilfried Endlicher (Berlin)
    • Chile - Landschaften und Probleme zwischen Anden und Pazifik
    • Prof. Dr. Elmar Kulke (Berlin)
    • Wirtschaftliche Transformationsprozesse in Kuba
    • Prof. Dr. J.F. Negendank (Potsdam)
    • Der Vulkanismus Mexikos und seine Ursachen

Tagungen:

Japan - Naturkatastrophen und ihre ökonomischen Folgen

    • (im Rahmen der Asien-Pazifik-Wochen 1999)
    • Abendvortrag:
    • Prof. Dr. Peter Meusburger (Heidelberg)
    • Japan - Grundlagen des wirtschaftlichen Erfolges und Ursachen der derzeitigen Schwierigkeiten
    • Baikal-Tagung
    • (s. Weitere Mitteilungen))

 

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