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Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde 1998

Veranstaltungen

Organisatorisches

Gedanken zu Berlins Mitte, dem Schloßbezirk

Weitere Mitteilungen

Mitglieder

Wissenschaftliche Vorträge

Besondere Vorträge

Fachsitzungen

GeoGalerie

Exkursionen

Festveranstaltungen

 

Veranstaltungen

Die Abendvorträge wurden nach bewährter Einteilungen Trimester durchgeführt, in denen jeweils Schwerpunktthemen auf dem Programm standen (s. Verzeichnisse). Im ersten Trimester standen Themen über die Stadt im Mittelpunkt. Es war von besonderem Interesse, hierzu zwei aktive Mitglieder der GfE zu hören: Prof. Sukopp (Berlin) über Stadtökologie und Prof. Malberg (Berlin) über das Stadtklima. Beide sind international bekannte Wissenschaftler, die vor allem über ihre Arbeiten im Stadtgebiet Berlins berichteten. In einem dritten Vortrag stellte Prof. Bronger (Bochum) die Problematik einer wachsenden Megapolisierung der Erde dar. Eindringliche Fotos von Megastädten der Dritten Welt zeigten die vielfältigen Konflikte, die sich hier besonders im sozialen Bereich ergeben. Das 2. Trimester stand im Zeichen des Welterbes von Kultur- und Naturstätten. Es war ein Glücksfall, daß die Serie von Prof. Giersberg (Potsdam), dem Leiter der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten in Berlin-Brandenburg, eingeleitet werden konnte, stehen doch die Anlagen in und um Potsdam auf der Welterbeliste. Der Referent behandelte die historische und kunstgeschichtliche Entwicklung dieser von der Lage am Wasser bestimmten Kulturlandschaft mit Ihren bekannten Schlössern und Parkanlagen. Ganz anders boten sich die in das Welterbe aufgenommenen Landschaften, Tempel und Paläste Südostasiens, über die Frau Dr. Kraas (Bonn) mit eindrucksvollen Fotos berichtete. Als Mitarbeiterin im World Heritage Centre der UNESCO in Paris schilderte Frau Dr. Rössler (Paris) Bedeutung und Aufgaben dieser Einrichtung und stellte Beispiele geschützter Stätten vor. Mit Fragen des Tourismus beschäftigten sich die Vorträge im 3. Trimester. Lanzarote, Nepal und Tunesien waren die räumlichen Bezugspunkte. Im Mittelpunkt standen Umweltkonflikte im Biospährenreservat Lanzarote (Prof. Breuer, Regensburg), sozialökonomische Wandlungen und Gefahren in Nepal (Dr. Hauck, Eichstätt) und die Grenzen des Massentourismus in Tunesien (Prof. Gießner, Eichstätt). Alle Beispiele zeigten den sich schnell verbreitenden Tourismus mit seinen vielfältigen Problemen, die aufgegriffen und diskutiert wurden.

In Ergänzung zu den üblichen Abendvorträgen wurden seit einiger Zeit ‘Besondere Vorträge’ eingeführt, die eigene Forschungen zum Inhalt haben oder im Zusammenhang mit Ausstellungen stehen. Beides war der Fall bei dem Vortrag von Prof. Fürst über ‘Felsbilder-Generationen aus der Sahara’, wobei viele der gezeigten Aufnahmen auch in einer GeoGalerie zu bewundern waren. Der Referent hatte lange Jahre als Erdöl-Geologe in der Sahara gearbeitet und sich eine einzigartige Dokumentation von Felsbildern geschaffen. - Ein aktuelles Thema stellte Prof. Freitag (Berlin) vor, in dem er Karten im Internet untersuchte und Möglichkeiten wie auch vorhandene Schwächen bewertete. Zu einem Gastaufenthalt weilte Frau Dr. Heriberta Castaños-Lomnitz aus Mexico-City in Berlin/Potsdam. Sie gab einen interessanten Einblick in die mexikanische Universitätsarbeit und die Verbindungen zu Wirtschaft und Regierung.

Im Rahmen einer GeoGalerie wurden drei Ausstellungen gezeigt: Der Berliner Siegfried Schütze nannte seine Darbietung ‘Erdstücke’. In verschiedenen Techniken Acrylbilder, Aquarelle, Zeichnungen u.a. schuf er Bilder, mit denen er die Natur abstrahieren möchte. Ann Kienert (Berlin) stellte ‘Stadtlandschaften’ vor, in denen sie interessante Kompositionen von Gebäuden zusammenstellte. Schließlich zeigte Prof. Fürst seine Aufnahmen von Felsmalereien aus der Sahara, die er nach zeitlichen Perioden ordnete. Viele Besucher nahmen die Gelegenheit wahr, die im Vortrag erläuterten Aufnahmen in der Ausstellung ausführlicher zu betrachten.

Von den angebotenen Exkursionen mußten leider zwei größere Studienreisen nach Karelien und Turkmenistan wegen nicht ausreichender Zahl von Teilnehmern abgesagt werden. Dagegen fanden zwei eintägige Besichtigungen in der näheren Umgebung Berlins reges Interesse. Im Januar lud Prof. Negendank, Vorstandsmitglied der GfE, zu einer Besichtigung des GeoForschungsZentrums (GFZ) auf den Potsdamer Telegraphenberg ein. In einer ausführlichen Einführung wurde die Geschichte der über 100jährigen Forschungsstätten auf den Gebieten der Astrophysik, Geodäsie, Seismologie, Erdmagnetismus u.a. vorgetragen. Breiten Raum nahm das Konzept des neuen Zentrums, das an der berühmten Stätte 1992 als nationale Institution für die Geowissenschaften gegründet wurde, ein. Im Juni besuchte eine größere Gruppe von Mitgliedern die bekannten Kalksteinbrüche von Rüdersdorf. Der Geologe Prof. Jubitz gab eine kenntnisreiche Einführung in die Geologie und Stratigraphie des Vorkommens sowie auch der Geschichte des Abbaus. Die Ausführungen wurden vor Ort ausführlich an guten Beispielen demonstriert. Abschließend konnten die Teilnehmer von den Kranichsbergen bei Woltersdorf noch einen weiten Rundblick über den Barnim und das Berliner Urstromtal genießen.

Eine Änderung trat in den Kolloquien ein. Bis zum Wintersemester 1998/99 wurden die Fachvorträge zusammen mit dem Geographischen Institut der FU durchgeführt (s. Themenliste).Durch die Übersiedlung des Instituts nach Lankwitz findet das Kolloquium jetzt dort und zu anderen Zeiten statt. Die Leitung hat Prof. Ergenzinger. Zu den besonderen Veranstaltungen gehörte die 170-Jahrfeier der GfE am 10. Juni 1998. Die 1828 gegründete Gesellschaft für Erdkunde hat ihre Jubiläen stets feierlich begangen, wobei die Vorsitzer bzw. Generalsekretäre die vergangenen Entwicklungen würdigten. So 1878 das 50jährige Stiftungsfest mit Ferdinand von Richthofen, 1928 das 100-jährige Bestehen mit Albrecht Penck, 1953 das 125. und 1978 das 150jährige Jubiläum (vgl. Lenz, in DIE ERDE 1978 (1)). Zur Feier des 170. Gründungsjahres gab der Vorsitzer, Dr. D.Biewald, einen Überblick über Geschichte und Aufgaben der Gesellschaft, wobei er auch die künftige Entwicklung einbezog. Rahmenthema der Festvorträge war: ‘Die Geowissenschaften im 21. Jahrhundert’. Dazu sprach als erster Referent Prof. R. Emmermann, Leiter des GeoForschungs-Zentrums in Potsdam und Präsident der Alfred-Wegner-Stiftung. Er gab einen umfassenden Überblick über die vielseitigen Arbeiten im GFZ und stellte die Bedeutung geowissenschaftlicher Forschungen für Wirtschaft und Umwelt heraus. Einen zweiten Vortrag hielt Prof. E. Ehlers (Bonn), Secretary General und Treasurer der International Geographical Union, zum Thema ‘Geographie als Umweltwissenschaft’ (DIE ERDE, 1998 (4)). beide Vorträge ergänzten sich ausgezeichnet und wurden vom Auditorium mit großem Beifall aufgenommen. Leider mußte der Executive Director des United Nation Environ-ment Programme, Prof. Töpfer, seine Beteiligung kurzfristig absagen. Die Jubiläumsveranstaltung wurde vom Collegium Musicum der FU Berlin umrahmt und mit einem festlichen Empfang in den Räumen der GfE abgeschlossen.

 

Organisatorisches

Wie stets fanden auch im Berichtsjahr zwei Sitzungen von Vorstand und Beirat (24.2. und 11.11.) sowie zwei Mitgliederversammlungen (3.7. und 4.12.) statt, ferner eine Vorstandssitzung am 14.7. In den Sitzungen von November und Dezember wurde der Jahresabschluß 1997 nach Kenntnis des Berichts der Kassenprüfer genehmigt und der Vorstand einstimmig entlastet. Für den Vorsitz 1999 wurde Dr. D. Biewald erneut von Vorstand und Beirat nominiert und von der Mitgliederversammlung einstimmig bestätigt. Herr Biewald benannte als Vorstandsmitglieder Frau Prof. M. Böse (FU), Herrn Prof. E. Kulke (HU), Herrn Prof. J. Negendank (GFZ Potsdam); im Amt der Generalsekretärin verbleibt Frau Dr. Gehrenkemper. Der Beirat bleibt in der bisherigen Zusammensetzung bestehen, die Wiederwahl von Herrn Prof. H. Burkhardt (TU) wird bestätigt. Als Rechnungsprüferinnen werden erneut Frau Dr. K. Zillbach und Frau Dr. K. Wessen eingesetzt, ihre Vertreter sind Frau Prof. U. Schulz (HU) und Herr Dipl. Geogr. F. Poppe. Im Januar 1998 bat der Vorsitzende der Historischen Kommission zu Berlin, Prof. Dr. Wolfgang Ribbe, den Vorsitzenden des Ausschuß für Wissenschaft, Forschung und kulturelle Angelegenheiten des Abgeordnetenhauses von Berlin, Dr. Dieter Biewald, die Leitung der Abschlußdiskussion der Nationalen Historiker Tagung mit dem Thema: ‘Das Schloß und der Schloßbezirk in der Mitte Berlins’ vom 12.-13.2.1998 zu übernehmen. Das Ergebnis der Tagung waren drei historische Bedeutungsebenen : - die städtebaulich architektonische mit der Aussage, den in Jahrhunderten gewachsenen Ort mit einem Baukörper von gleichen Abmessungen wie das Stadtschloß wiederherzustellen, - die geschichtliche, dem ehemaligen Mittelpunkt des preußisch-brandenburgischen Staats einen würdigen Platz einzuräumen und der - die künftige Nutzung als Mittelpunkt der heutigen Gesellschaft, die nicht nur funktionalistischer Bedarfsdeckung anheimgegeben werden darf. Am Schluß der Veranstaltung regte der Landeskonservator Prof. Engel an, diese historischen Thesen durch geographisch-städtebauliche Überlegungen zu ergänzen. Nach Absprache mit den jeweiligen Vorständen der Historischen Kommission und der Gesellschaft für Erdkunde übernahmen Spezialisten unter der Leitung der beiden Vorsitzenden Ribbe und Biewald in mehreren Sitzungen die weitere Ausarbeitung des ursprünglichen Papiers. Am 11.1.1998 kam es nach einer Schlußredaktion zur Überreichung der erarbeiteten Thesen an den Regierenden Bürgermeister Diepgen im Abgeordnetenhaus von Berlin durch die beiden Vorsitzenden und einem längeren erläuternden Disput. Der Text der überreichten Urkunde lautet :

 

Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin

Historische Kommission zu Berlin

 

Gedanken zu Berlins Mitte, dem Schloßbezirk

 

Über mehrere hundert Jahre war das Schloß Mittelpunkt des brandenburgisch-preußischen Staatswesens. Der Ort des Schlosses besitzt somit auch für die Bundesrepublik Deutschland eine herausragende geschichtliche Bindung, die ihren Ausdruck im Stadtgefüge auch künftig zu finden hat. Über die städtebauliche und architektonische Stellung des Schlosses hinaus ist seiner überragenden Bedeutung als ehemaligem Staatsmittelpunkt zu entsprechen. Die Gesellschaft für Erdkunde und die Historische Kommission zu Berlin wenden sich deshalb an den Deutschen Bundestag und die Regierung der Bundesrepublik Deutschland, an das Abgeordnetenhaus und den Senat von Berlin sowie an die Öffentlichkeit, diesem Ort bei seiner bevorstehenden Wiederbebauung größte Sorgfalt zuzuwenden. Beide Institutionen weisen eindringlich darauf hin, daß alle einer nur vordergründigen Vermarktung dienenden Vorhaben der Bedeutung des Ortes widersprechen und deshalb auszuschließen sind. Sie ersuchen um eine öffentliche Erörterung, in der neben einzelnen Nutzungen vor allem auch die Rolle des Schlosses als Ort für das Zusammenwachsen und die Entwicklung der Deutschen in eine neue Gemeinschaft und ihre Begegnung mit der internationalen Welt stattfinden kann. Angesichts des hohen künstlerischen Ranges des historischen

Bauwerkes wenden sich die Gesellschaft für Erdkunde und die Historische Kommission mit aller Entschiedenheit gegen einen gestalterisch leichtfertigen Umgang beim Wiederaufbau des Ortes. Die künftige bauliche Gestalt muß sich der Bedeutung des Ortes und seiner Umgebung als würdig erweisen.

Begründung: Seit fünfhundert Jahren war das Berliner Stadtschloß Wohnplatz des Herrschers, Ort von Staatshandlungen, Sitz der Staatsverwaltung, Tagungsort der Landstände, Ort der Eröffnung von Landtag und Reichstag sowie Schauplatz von Hoffestlichkeiten, Sitz kultureller Einrichtungen. In unterschiedlichem Rang prägten diese Nutzungen den Standort, bestimmten seine Geschichte und gaben ihm seine Bedeutung. Im 16. Jahrhundert hatte sich bis zur Zäsur des Dreißigjährigen Krieges die Residenz mit Wohnung von Kurfürst und Kurfürstin, mit Konsistorium, Geheimem Rat, Kammergericht, Landes- und Hofverwaltung herausgebildet. Mit der Regierung des Großen Kurfürsten begann sich das Schloß in seinem Bild- und Skulpturenschmuck als hoheitlicher Mittelpunkt zu kennzeichnen und nahm mit der Regierung des ersten preußischen Königs das Gepräge eines hochbarocken Herrschaftsmittelpunktes an, der mit dem Denkmal des Großen Kurfürsten, dem Neubau eines Königsschlosses und einem Zeughaus in dieser staatlichen Zentralität auch heute noch der Öffentlichkeit bewußt ist. Unter Friedrich Wilhelm I. und Friedrich dem Großen war das Schloß uneingeschränkt Mittelpunkt der Staatsverwaltung, während die Selbstdarstellung der Monarchen in ihm zurückging. Friedrich II. regierte in Potsdam aus dem Kabinett heraus, wobei die Regierungsverwaltung im Berliner Schloß die königlichen Entscheidungen umzusetzen hatte. Mit Friedrich Wilhelm II. wurde das Schloß wiederum Königswohnung und mit allem auf der Höhe der Zeit stehendem künstlerischem Anspruch ausgestattet. Die Staatsreform nach der Niederlage von 1806 führte u.a. zur Einrichtung von Tagungsräumen für den Staatsrat. Die Entwicklung der traditionellen und zeitgemäßen Nutzungen des Schlosses vollendete sich unter Friedrich Wilhelm IV., der besonders bis 1848 im Schloß residierte, während die Bürokratie das Schloß bis auf Sonderbehörden verließ und die Ministerien Standorte in der Stadt zugewiesen erhielten. Die hohe Bedeutung des Schlosses blieb trotz neuer, zeitgemäßer Nutzungen erhalten. Es wurde Ort einer zahlreicheren Hofgesellschaft, mit der sich nun auch eine Öffnung zur bürgerlichen Gesellschaft der Stadt anzubahnen begann. Der Versuch Wilhelms II., der erneut im Schloß wohnte, Schloß und Schloßbezirk zum Mittelpunkt des Reiches zu machen, scheiterte mit dem Ausbruch der Revolution am 9. November 1918. Bis zur Demolierung und Teilzerstörung während des Zweiten Weltkrieges ist das Schloß von wissenschaftlichen, musealen und sonstigen kulturellen Einrichtungen sowie für Tagungen von zentraler Bedeutung genutzt worden. Wissenschaftler der ‘Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin’ und der ‘Historischen Kommission zu Berlin’ haben sich mit der Aufgabe und Gestaltung von Berlins Mitte beschäftigt und folgende Thesen formuliert. Aus der städtebaulich-architektonischen, und der geschichtlichen und der funktionalen Bedeutung sowie der künftigen Nutzung des Ortes ergeben sich Folgerungen, Forderungen und Denkanstöße für die künftige Nutzung und Gestaltung:

 · Fast 10 Jahre nach der Wende und mit dem Blick auf die Wiederherstellung der Funktion der Hauptstadt ist es unerläßlich ergibt sich der dringende Bedarf, Berlins und Deutschlands zentralen Ort aus dem Dornröschenschlaf einer Planungsruine herauszuholen und wieder zu einem bedeutungsvollen Zentrum zu machen.

· Die Gestaltung des Platzes soll zu einer Unverwechselbarkeit des Erscheinungsbildes führen.

· Dazu gehört die architektonische Vervollständigung des Schloßplatzensembles mit dem Abschluß gegenüber der ‘Straße unter den Linden’.

· Zu diesem Abschluß gehört die Wiedererrichtung der Baumasse des Schlosses, sowie die unter Einbeziehung des Marstalls und, die der zu errichtenden Bauakademie sowie der des Lustgartens und die der Rathausbrücke. Lustgarten und Rathausbrücke sollten in den Originalzustand mit Bepflanzung und Brunnen einerseits, andererseits wieder mit dem Standbild des Großen Kurfürsten geschmückt werden.

· Noch vorhandene Originalteile des Schlosses (Fundamente, Siedlungsschichten und dergleichen) in Situs oder Vorort sind zu erhalten. Die Historizität des Erscheinungsbildes erfordert eine maßgetreue Wiederherstellung mit ursprünglichen Handwerks- und Bautechniken.

· Die dem baulichen Ensemble entsprechende Außengestaltung sollte durch eine moderne Innere Gliederung des Gebäudes ergänzt werden. Anzustreben ist eine größere Geschoßfläche und eine flexible, den vorgesehenen Funktionen entsprechende Gliederung.

· Eine polyfunktionale Nutzung durch staatliche und private Einrichtungen soll zur Belebung der Mitte beitragen. Dagegen sollten keine Funktionen mit geringen Besucherfrequenzen oder Abgeschlossenheit (z.B. Unternehmensverwaltungen) diese zentrale Lage einnehmen.

· Der Schloßkomplex sollte einer starken öffentlichen, aber auch privaten Mischnutzung geöffnet werden. Auch aus der Geschichte ergibt sich eine Polyfunktionalität: Hoheitsfunktionen, wie im ehemaligen ‘Weißen Saal’, Hof-, heute Bürgergesellschaften im ‘Rittersaal’, Musik- und Festveranstaltungen sollten möglich sein. Dazu gehört dann auch die Wiederherstellung von räumlich vernetzten Teilen und Bereichen des Schlosses.

· Als mögliche, geeignete Teilfunktion wäre die Einrichtung eines Bundes- und Ländergästehaus, verbunden mit einem Kongreß- und Veranstaltungstrakt vorzusehen, einerseits mit einer weitere Teilnutzungen wären eine großen Bibliothek (z.B. Landes- und Zentralbibliothek mit der Sammlung der Berolinensien; erhaltene alte Bibliotheken der Justizverwaltung), einem Sitz der nationalen Stiftungen, oder dem Sitz eines zentralen Staatsbürgerbüros des Bundespräsidenten sowie der Kultusminister-Konferenz. Daneben sollte Schaufensterfunktionen Raum geben werden, (z.B. Läden für die KPM, eine Berlinische Galerie und einen Museumsshop).

· Ein Schloßmuseum sollte errichtet werden.

· Soll der Ort städtebaulich architektonisch und historisch wiedererstehen, müssen Finanzierung und Nutzen zwischen Bund und Land gegebenenfalls anders als im Interessenbekundungsverfahren geklärt werden. Für Mahnung und Beratung in Details stehen beide Gesellschaften mit ihren Fachwissenschaftlern zur Verfügung.

 

Berlin, den 11. Juni 1998

 

Für die Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin

Der Vorsitzer

Dr. Dieter Biewald

Für die Historische Kommission zu Berlin

Der Vorsitzende

Prof. Dr. Wolfgang Ribbe

 

Weitere Mitteilungen

 

Da auch im Berichtsjahr 1998 die Anzahl der Mitglieder zurückging, wird zu einer aktiven Werbung aufgerufen. Sie sollte vor allem durch persönliche Ansprache von Interessenten aus dem Bekanntenkreis erfolgen. Ferner werden zusätzliche Informationen herausgegeben. Die Altbibliothek der GfE, die an die Stadt Berlin verkauft wurde (s. Verhandlungen 1996), ist in der Staatsbibliothek Haus I Unter den Linden in neue repräsentative Räume verlegt worden, in denen sie nun besser zugänglich ist. Die Buch- und Zeitschriftenbestände der neuen Bibliothek der GfE sind im Gebäude H auf dem Campus der Freien Universität in Lankwitz wieder zugänglich. Sie sind separat aufgestellt, ebenso der Katalog, der als ‘Sondersammlung Bibliothek der Gesellschaft für Erdkunde’ besonders gekennzeichnet ist. Vorsitzer und Generalsekretärin nahmen an der 125-Jahrfeier der Geographischen Gesellschaft Hamburg teil und überbrachten Grüße und Wünsche der GfE.

Die Alfred-Wegener-Stiftung wird im Juni 1999 in das Haus der Gesellschaft einziehen und hier ihr Büro eröffnen.

 

Mitglieder

 

Die Bilanz der Mitgliederbewegung war im Berichtsjahr nicht ausgeglichen: Zwei Mitglieder verstarben, 31 Mitglieder verließen die Gesellschaft, 5 neue Mitglieder konnten gewonnen werden.

Es verstarben:

Martin Faller (Bonn)

Maria Zwick (Berlin)

Neue Mitglieder:

Jürgen Clemens (Dortmund)

Hiltraut Schierenberg (Berlin)

Prof. Werner Schenkel (Berlin)

Monika Schulz (Berlin)

Marion Kittelmann (Berlin)

 

Wissenschaftliche Vorträge:

 

09.01.1998 Prof. Dr. Herbert Sukopp (Berlin)

Stadtökologie

06.02.1998 Prof. Dr. Horst Malberg (Berlin)

Stadtklima

06.03.1998 Prof. Dr. Dirk Bronger (Bochum)

Metropolen Megastädte Global Cities

22.05.1998 Prof. Dr. Giersberg (Berlin)

Das Weltkulturerbe: Schlösser und Gärten in Berlin und Potsdam

19.06.1998 Dr. Frauke Kraas (Bonn)

Welterbe: Kultur- und Naturstätten in Asien

03.07.1998 Dr. Mechthild Rössler (Paris)

Welterbe: Kultur- und Naturstätten unter dem Schutz der UNESCO Welterbekonvention

16.10.1998 Prof. Dr. Toni Breuer (Regensburg)

Tourismus im Biosphärenreservat Lanzarote Symbiose oder ‚Etikettenschwindel‘?

06.11.1998 Dr. Dieter Hauck (Eichstätt)

Trekkingtourismus in Nepal Sozioökonomischer Wandel entlang der Haupttrekkingrouten

04.12.1998 Prof. Dr. Klaus Gießner (Eichstätt)

Massentourismus in Tunesien

Besondere Vorträge:

11.09.1998 Heriberta Castaños-Lomnitz (Mexico-City)

The Pecking Order: Rationale and Rationalization of Rank in the Mexican Academic Community

20.11.1998 Prof. Dr. Ulrich Freitag (Berlin)

Karten im Internet

Fachsitzungen:

08.01.1998 Prof. Dr. Jean Jacques Peters (Brüssel) und Hanna Schmuck (Berlin)

Floods in Bangladesh and living conditions on the islands of the Jamuna-Brahmaputra river

15.01.1998 Dipl.-Geogr. Jozsef Benedek (Universität Cluj/Klausenburg)

Die Entwicklung der ländlichen Kleinsiedlungen in Rumänien - Ergebnisse einer Fallstudie

22.01.1998 Prof. Dr. Bernhard Eitel (Passau)

Neue Ergebnisse paläoklimati-scher Forschung aus Kalahari und Namib

05.02.1998 Prof. Dr. Manfred Buchroithner (Dresden)

Hochgebirgskartographie und Fernerkundung

12.02.1998 Prof. Dr. Bernhard Müller (Dresden)

Nachhaltige Entwicklung in den neuen Bundesländern?

23.04.1998 Prof. Dr. Paul Gans (Mannheim)

Wirtschaftsstruktur und Bevölkerungsveränderung der Großstädte in Deutschland (1980 - 1994)

11.06.1998 Prof. Dr. Brian Osborne (Salzburg)

Establishing the centre, integrating the margins; an historical geo-graphical approach to Canadian national identity

25.06.1998 Prof. Dr. Emanuel Heinisch (Forchheim)

Umweltchemikalien-Monitoring in Mitteleuropa

02.07.1998 Prof. Dr. Matjaz Mikos (Ljubljana)

Schneelawinen - Entstehung, Dynamik, Gefahren

09.07.1998 Dipl.-Geogr. Petra Bauer (Berlin)

Dorfentwicklung im Transformationsprozeß - Konfliktreiche Planungsbeispiele aus dem suburbanen Raum von Berlin

 

GeoGalerie:

-aktuell-

09.02. 27.03.1998:

Erdstücke

Acrylbilder, Aquarelle, Siebdrucke, Zeichnungen, Steinfunde

Von Siegfried Schütze

 

22.06. 15.07.1998:

Stadtlandschaften

Von Ann Kienert

 

02.11. 17.12.1998:

Felsbilder-Generationen aus der Sahara

Von Prof. Dr. Manfred Fürst

 

Exkursionen:

 

17.01.1998 Besichtigung des GeoForschungs-Zentrums

(GFZ)

Führung: Prof. Dr. Jörg Negendank

13.06.1998 Geologie-Exkursion nach Rüdersdorf

Führung: Prof. Dr. Karl-Bernhard

Jubitz, Dipl.-Geol. H.J. Streichan

 

Festveranstaltungen:

 

10.06.1998 170-Jahrfeier der GfE

 

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